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Shegichte




Unsere Story....
Ich stell einfach mal die Teile rein, damit wir die immer irgendwo abrufen können.

Saskias Part 1
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„Ich hasse diese Viecher!“
Die hohen Mauern der kleinen Straße hallten meinen Ausruf zurück. Seit zwei Tagen floh ich nun schon quer durch London, mit meinen Verfolgern im Rücken. Sie suchten mich, wollten mich töten. Doch ich würde mich nicht töten lassen…
Das hatte ich nie getan und ich hatte auch nicht vor jetzt damit anzufangen.
Doch gerade eben war ich ihnen nur knapp entgangen. Einer ihrer geweihten, ach so heiligen Pfeile zierte nun meine linke Schulter. Blut rann heraus und wurde von meinem zerrissenen Hemd aufgesaugt.
„Oh Mist…“, ich zog kurz an dem zerrissenen Stück Stoff und befand es als wegzuschmeißend. Wundervoll. Einfach wundervoll. Immerhin war ich sie jetzt los. Doch durch den Zauber den ich dazu verwendet hatte, hatte ich einiges an Energie verbraucht.
Am besten ich würde schnell nach Hause kommen um mich auszuruhen. Und wenn ich Glück hatte, würde ich auf dem Weg dorthin vielleicht sogar jemanden finden um meine Kräfte wieder zu stärken.
Ich hievte mich mühsam vom kalten Boden hoch, klopfte mit meiner gesunden Hand die Hose ab und sah mich dann um. Im Laufe der Verfolgung durch diese Fanatiker war ich wohl in den westlichen Bereich Londons gelangt. Mein Haus lag im Süden, das hieß ich hätte ein schönes Stück zu gehen. Ein Taxi konnte ich mir mit meinem momentanen Aussehen nicht nehmen.
Ich hoffte nur nicht allzu vielen Leuten zu begegnen…

So ging ich also durch London, als schon langsam die Morgendämmerung eintrat. Noch war niemand wach, doch bald würde auf den Straßen reges Treiben herrschen. Ich musste unbedingt noch davor nach Hause kommen, also beschleunigte ich meine Schritte ein weiteres mal. Nach weiteren 20 Minuten traf ich auf die erste Person.
Ein kleiner Junge, vielleicht 7 oder 8, der mich mit großen Augen ansah. Er schien nicht unbedingt geschockt zu sein von meinem Anblick, eher überrascht, dass ich so herumlief.
Ja, er würde es werden. Er würde meine Kräfte wieder stärken, mir das zurückgeben, was mir vorher verloren ging.
„Wer bist du?“, fragte er mich.
„Mein Name ist Seth.“, antwortete ich ihm.
„Und was machst du hier?“
„Ich bin auf dem Weg zu mir nach Hause.“
„Wieso siehst du denn so kaputt aus?“
„Ich sehe kaputt aus?“, der Kleine amüsierte mich langsam richtig, „Ich würde eher sagen, ich bin ein wenig ramponiert.“
„Was heißt rampohier?“
„Ramponiert. Das ist im Grunde dasselbe wie kaputt.“ Ich lächelte ihn an und hielt ihm meine Hand entgegen, „Komm mal her, mein Kleiner.“
Er zögerte etwas, sah von meinem Gesicht zu meiner Hand immer wieder hin und her. Als ich ihn jedoch noch einmal anlächelte, schienen seine Zweifel verschwunden zu sein und er kam auf mich zu.
Als er nah genug war bat ich ihn die Augen zu schließen und sich zu entspannen.
Er sah mich fragend an, wusste nicht was ich mit ihm vorhabe. Aber er sollte es auch nicht wissen.
Als er so vor mir stand, entspannt, mit geschlossenen Augen, hob ich meine Hand an und legte sie ihm vorsichtig auf die Brust.
Ein schwaches Licht erschien unter meiner Hand. Es breitete eine angenehme Wärme aus.
Ich konzentrierte mich, auch wenn ich es eigentlich gar nicht mehr zu tun brauchte, da ich es schon im Schlaf beherrschte, doch so linderte ich den Schmerz ein wenig. Der Kleine zuckte kurz zusammen, ich spürte wie er zitterte, eisige Schauer schienen durch seinen Körper zu huschen, doch dann fühlte ich wie SIE sich mir endlich offenbarte.
Seine Seele gehörte mir….

Ich stand vor dem großen Wandspiegel, der mein Schlafzimmer schmückte, und besah mir den Pfeil in meiner Schulter. Jedes Mal, wenn ich mich bewegte schmerzte es und deshalb würde ich ihn herausziehen müssen. Der Schmerz war quasi vorprogrammiert. Ich schaute noch mal auf den kleinen Tisch ob auch alles, was ich brauchte dort lag, Tücher, Schere, Desinfektionsmittel, Nadel und Faden und auch mehrere Verbandsrollen, und drehte mich um.
Ich hob meine gesunde Hand und umfasste damit den Schaft des Pfeils. Ich atmete noch einmal tief durch, schloss die Augen und zog ihn mit einem Ruck heraus.
Und es tat weh. Es schmerzte wie die Hölle.
Vor lauter Schmerz konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Es dauerte etwas bis ich wieder daran denken konnte, die Wunde schnell zu verarzten.
Ich ging auf wackeligen Beinen ins Bad, machte die Dusche an und wusch die Wunder mit lauwarmem Wasser aus.
Das nachfolgende Brennen riss mich um.
Ich hielt mich krampfhaft am Rand der Badewanne fest und stemmte mich wieder hoch.
In meinem Inneren verfluchte ich diese Idioten dafür, dass sie einfach keine anderen Kreaturen akzeptieren konnten. Sie, die sich geheiligt nannten, Geistliche, die jedoch nichts anderes waren als rassistische Mörder. Mich nannten sie Abschaum, weil ich nicht so war wie sie. Ich war es noch nie. Doch schon immer wurde ich von Leuten wie ihnen Verfolgt. Schon immer wollten sie mich töten. Ob die Römer, die Germanen, die Wikinger oder die heutigen Menschen. Sie alle hatten mich gejagt. Mich als Bedrohung betrachtet. Vor tausenden von Jahren genauso wie noch heute. Nicht einmal ihre Methoden hatten sie geändert. Noch heute schossen sie mit geweihten Pfeilen auf mich, im Glauben ich wäre eine Schattengestalt die nur so sterben könne. Geweihte Pfeile, so ein Quatsch! Als ob es etwas ausmachen würde, wie man mich tötete. Doch der Aberglaube schaukelte es ihnen vor. Er sagte ihnen, Wesen wie wir wären nur so tötbar. Sie waren selbst Schuld wenn sie an solche Märchen glaubten.

Schnell ging ich zurück ins Schlafzimmer, nach das Verbandszeug, setzte mich damit auf mein Bett. Es würde nicht leicht werden das alles mit nur einer Hand zu machen, doch anders ging es nicht. Es musste so klappen, denn es war die einzige Möglichkeit die Wunde zu schließen. Ins Krankenhaus gehen konnte ich nicht, das würde nur unnötige Fragen aufwerfen. Also blieb mir nur dieser Weg. Ich reinigte die Wunde mit Desinfektionsmittel und nahm dann Nadel und Faden.
Ich setzte die Nadel an, atmete noch einmal durch und machte dann den ersten Stich.
Langsam zog ich den Faden durch meine zerrissene und gerötete Haut. Ich wusste nicht ob es leichter gewesen wäre es schneller zu tun, doch eigentlich wollte ich es nicht wissen. Schlimmer als es eh schon war, konnte es nicht werden.
Als der Faden fast ganz durch war, zog ich die Nadel durch die Haut auf der gegenüberliegenden Seite der Wunde.
Die Zähne fest zusammenbeißend um die Schmerzen zu ertragen, nähte ich so langsam Stück für Stück die Wunde in meiner Schulter zu.
Als die Wunde geschlossen war, nahm ich die Schere und schnitt den Rest des Fadens ab.
Den Verband anzulegen stellte sich als weitaus schwieriger heraus als gedacht, mit nur einer Hand. Erst nach etlichen Verrenkungen hatte ich es geschafft mir den Verband mehr schlecht als recht umzubinden, doch es müsste reichen.
Völlig erschöpft ließ ich mich langsam nach hinten sinken, bis ich die weiche Matratze an meinem Rücken spürte und glitt sofort völlig erschöpft in einen sanften Schlaf über.
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Marions Part 1
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Völlig geräuschlos bewegte ich mich in der dunklen Gasse, die heute mein Jagdgebiet darstellte. Mit meinem scharfen Gehör nahm ich das Keuchen meines verängstigten Opfers vor mir wahr. Ein leichtes, durch und durch böses Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Sie würde mir nicht entkommen. Sie kannte sich in dieser Gegend nicht so gut aus, wie ich. Schließlich waren die Gossen von Paris schon seit mehreren Jahrzehnten mein zuhause. Mein zuhause seit dem Tag an dem sie mich entlarvt hatten und am Scheiterhaufen verbrennen wollten. Oh ja er hatte einen Fehler gemacht, als er sich für die Menschheit hatte einzusetzen versuchte. Wollte den schwachen, erbärmlichen, kleinen Lebewesen, mit ihrer geringen Lebenserwartung helfen. Sie unterstützen. Und wie bedankten sie sich bei ihm? Mit einem Todesurteil. Sie dachten, sie wüssten alles und sahen nicht einmal das, was direkt vor ihnen war. Stur wie Maulesel, nicht bereit über Entscheidungen nachzudenken. Hirnlose Geschöpfe. Mein Lehrer hatte Recht, als er mir damals sagte, sie seien Nahrung und nichts weiter. Oh ja und wie er Recht hatte. Langsam ging ich vor der zitternden Gestalt in die Hocke. Sie wäre nicht mein Opfer geworden, hätte sie mich nicht zusammen mit ihren Freunden beschimpft. Ich streckte eine Hand aus und sie zuckte zurück, wimmerte leise, ein Schluchzen unterdrückend. „Ja, ja so sieht man sich wieder, nicht wahr?“ Ich brachte meine Finger vor das Gesicht des Mädchens mit den blond gefärbten Haaren. Sie zitterte wie Espenlaub. Ich lachte leise, dann umschloss ich mit einer wütenden Handbewegung ihr Kinn und hob es brutal an. Forschend ließ ich meinen Blick wandern. Nicht besonders hübsch, aber ihr Blut roch frisch und unverbraucht und mehr als Blut wollte ich sicher nicht von ihr. „Was ist los mit dir? Willst du nicht aufstehen und mir sagen wie abstoßend du mich und meinesgleichen findest. Willst du mir nicht ein weiteres Mal ins Gesicht spucken?“ Sie schloss bebend die Augen. Unter ihren Lidern tropften die Tränen hervor und tränkten meine Handschuhe. Schwarze, Halbfinger Handschuh. Sie hatten für mich einen ganz besonderen Wert. Das sie, sie mit ihren unwürdigen Tränen befleckten gefiel mir gar nicht. Also ließ ich ihr Kinn wieder los und streifte mir den Handschuh ab um keine Sekunde später wieder ihr Kinn zwischen meine Finger zu bringen, sodass sie mich ein weiteres Mal direkt ansehen musste, wenn sie nicht die Augen schloss, wie es der Fall war. „Bitte lasst mich. Ich ... ich wollte das nicht.“ Ihre Stimme kam flüsternd zwischen ihren zusammengepressten Lippen hervor und bebte vor Angst.
„Was wolltest du nicht?“
„Ich wollte euch nicht beleidigen. Bitte lasst mich gehen.“
Ich antwortete ihr nicht sofort. Ließ sie zappeln wie ein Fisch am Angelhaken.
„Oh nein. Es wird Zeit, dass du aus deinen Fehlern lernst.“, ich beugte ihren Kopf auf die Seite, damit ich ihre wild pochende Halsschlagader sehen konnte. Lehnte mich halb über das Mädchen und versenkte meine spitzen Eckzähne in ihrer blassen Haut während sich meine andere Hand von ihrem Kinn löste und sich fest über ihren Mund legte.

Ich verließ den Ort so wie ich ihn betreten hatte mit der Ausnahme, dass in den Schatten der Mülltonnen jetzt kein verängstigtes Mädchen hockte, sondern das jene jetzt in tiefer Bewusstlosigkeit am schmutzigen Boden lag. Morgen würde sie aufwachen und sich wundern wo sie war. Doch würde sie weder Erinnerungen noch Spuren unserer Begegnung davon tragen. Leicht beschwingt meinen Durst für den heutigen Abend mit drei Opfern gestillt zu haben, kehrte ich zu der Seitenstraße zurück, in der ich seit nun fast fünf Jahren schlief. Meine „Mitbewohner“ waren drei ältere Männer. Auch dieses Mal saßen sie wie fast immer wenn ich von meiner Jagd zurückkam noch vor einem kleinen Feuer und ließen eine Flasche billigen Fusel kreisen. Wie immer nickten sie mir desinteressiert zu und wie immer ignorierte ich sie. Eine verdreckte, halb zerrissene Decke unter einem schmutzigen Karton stellte meinen Schlafplatz dar. Gesättigt wie ich war, legte ich mich auf den Karton, zog mir die Wolldecke über den Kopf und war keine Sekunde später in den Schlaf versunken.

~~~~„Lucien bleib stehen! Du kannst ihnen nicht helfen! Versteh das doch.“ Ich blieb stehen. Drehte mich um und starrte in die blassgrünen Augen meines Lehrers.
„Verstehen soll ich es? Was gibt es da zu verstehen? Man muss ihnen doch helfen, sie laufen in ihr eigenes Verderben.“
„Aber es muss sein. Wie willst du ihnen helfen? Du bist kein Mensch mehr, das ist nicht mehr deine Heimat. Das war sie einmal vor hundert Jahren vielleicht. Verdammt Lucien hast du mir nicht zugehört, als ich dir das alles erklärt habe?“
Ein Schuss, ein Schrei, lautes Gelächter. Wütend fauchend wollte ich auf dem Absatz kehrt machen und die schändlichen Eindringlinge in die Hölle befördern, wo sie hingehörten.
„Lucien, wenn du jetzt gehst ist es nicht mehr möglich, dass du von uns wieder aufgenommen wirst.“
Ich drehte mich wieder um. Mein Inneres focht einen Kampf, der über mein Schicksal entscheiden würde.
„Ich kann nicht bleiben Jean. Du kennst mich.“
Jean schüttelte bedauernd den Kopf.
„Ja ich kenn dich. Sogar besser als du fürchte ich. Ich weiß, dass du dich durch dein impulsives Handeln nur in Unglück stürzten wirst. Vertrau mir Lucien, komm mit mir zurück, lass die Menschheit sich gegenseitig ausrotten.“
Er machte einen Schritt auf mich zu, streckte auffordernd die Hand in meine Richtung aus und flehte mich mit seinen Augen an, ihm zu folgen.
Ich senkte den Kopf und wandte mich um. Ohne mich auch nur einmal umzudrehen ging ich meinen Weg. ~~~~
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Annas Part 1
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Mit einem leisen Klicken schloss sich die schwere Eichentür hinter mir, während ich schon ein paar Schritte entfernt den Blick zum Himmel wandte. Das blasse Licht, das durch die graue Wolkendecke drang, die wie so oft den Himmel über London verhing, ließ in mir wieder einmal die Frage aufkommen, warum ich immer noch in dieser Stadt war. Dieses Wetter war definitiv zu häufig hier. Ich hatte schon viele Orte gesehen, die einem auf den ersten Blick viel angenehmer erschienen als London – der Paladin in Rom mit seinen Palmen und Orangenbäumen; Monte Carlo, die Hauptstadt von Monaco an der Côte d’Azur; Los Angeles, die Stadt der Engel. Wie passend.
Als ich mich jedoch in Bewegung setzte und in Richtung Vigo Street ging, musste ich lächeln. Über das Wetter konnte man hinwegsehen – London hatte nun einmal Klasse. Es war eine richtige Stadt der alten Welt, reich an Kultur und Geschichte, und doch eine glitzernde Metropole. Meistens war es weder zu warm noch zu kalt. Und alle Leute sprachen astreines British English, kultiviert, gemessen, melodiös. Formvollendet, um genau zu sein.
Vor einem Geschäft mit glatter weißer Fassade hielt ich an. Die meisten Menschen gingen daran vorbei, ohne ihm auch nur einen Blick zu gönnen, doch hin und wieder blieb jemand davor stehen und linste in die Schaufenster, die alle nur zwei, höchstens drei Stücke zur Schau stellten. Der silberne Schriftzug über der Eingangstür verkündete in großen Lettern „Boateng Ozwald“ und machte gleichzeitig allen klar, dass sie schon sehr viel Glück hatten, wenn sie hier einkaufen konnten.
Verhalten lächelnd griff ich nach dem Griff der Milchglastür und zog sie auf, ein warmer Lufthauch wehte mir die Haare aus dem Gesicht, als ich eintrat. Sofort waren zwei junge Frauen, beide schwarz gekleidet, bei mir und begrüßten mich überschwänglich. Auf das Angebot eines Kaffees oder eines Mineralwassers schüttelte ich den Kopf und erklärte nur kurz, wonach ich auf der Suche war. Mittlerweile war auch ein Mann in mittlerem Alter dazugekommen und diskutierte mit einer der Frauen, ob schwarz nicht zu dunkel für mich wäre und man mich nicht lieber in dunkelgrau kleiden sollte. Ich zog es vor, darüber zu schweigen – solche und andere Fragen überließ ich lieber den Experten. Ich hatte viele Modetrends kommen und Gehen gesehen, doch so schnell wie in der heutigen Zeit war es noch nie gegangen.
Kurze Zeit später fand ich mich in einer in weiß gehaltenen Umkleidekabine wieder und schlüpfte noch in ein dunkelgraues, eher legeres Jackett, bevor ich ohne zu zögern den Vorhang zur Seite zog und vor einen großen Spiegel trat. Sofort scharwenzelten die Frauen wieder um mich herum, richteten hier einen Aufschlag, zupften da etwas gerade und schwärmten mir blumig vor, wie gut mir dieser edle Stoff doch stehen würde.
Jedes Mal, das ich mich im Spiegel betrachte, ist ein ganz neues Erlebnis. Mein Zeitgefühl ist nach so langer Zeit verwirrt. Immer noch erwarte ich, eine kratzige Rokoko-Halskrause zu tragen oder gar die römische Toga mit ihrem gesamten Gewicht mit mir herumzuschleppen. Stattdessen war ich gekleidet in den Stoff des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Der graue Anzug, darunter ein schwarzes Hemd mit roten Stickereien, zweckmäßig, modisch, schlicht. Das alles musste irgendwie mit diesen hektischen Zeiten zusammenhängen.
Mein prüfender Blick glitt an mir herab. Normalerweise trug ich nicht gerne schwarz – meiner Meinung nach ließ es mich zu blass aussehen, und war außerdem nicht unbedingt passend für einen Engel, jedenfalls nach der Vorstellung der Menschen. Doch hin und wieder – wie zum Beispiel jetzt – war es eine willkommene Abwechslung. Meine blonden Haare kamen dadurch eindeutig besser zur Geltung. Am Ansatz waren sie glatt, doch an den Enden leicht gelockt. Zusammen mit dem Schnitt, vorne etwa kinnlang, hinten bis zum Nacken, hatten sie wahrhaftig etwas engelhaftes an sich. Dazu kamen meine aquamarinblauen Augen, sie waren es, das die Menschen am ehesten misstrauisch machte. Ihr übernatürliches Funkeln, ihre vielen Facetten – ganz nützlich, wenn man jemanden bezirzen will, jedoch völlig ungeeignet, um längere Gespräche oder gar Beziehungen mit Menschen zu führen.
Langsam verstummten die beiden Frauen und warfen sich ratlose Blicke zu. Anscheinend war ich heute ein schwieriger Kunde, normalerweise versuchte man in Geschäften wie diesem, den Kunden so sehr zuzuplappern, dass er so schnell wie möglich alles kaufte. Auch eine Art Gehirnwäsche, ging es mir durch den Kopf. Innerlich gab ich mir einen Ruck und erklärte den Verkäuferinnen, dass ich gedachte, alles mitzunehmen. Erleichterung spiegelte sich in ihren Gesichtern, als sie sich nonverbal ausmachten, welche mich nun zur Kassa bitten sollte. Die andere zog sich dezent zurück.
„Ich habe leider ein Problem.“, eröffnete ich der Übriggebliebenen. Sie hatte etwas hellere Haare als sie andere, soviel war mir aufgefallen. Ansonsten hatten beide irgendwie gleich ausgesehen.
„Leider besitze ich kein Geld ... ehrlich gesagt hatte ich gehofft, an Ihre Großzügigkeit appellieren zu können.“ Ein Blick, tief in ihre Augen, und es war egal, was ich sagte. Ich hätte ihr hier und jetzt eröffnen können, dass ich sie mit einem Fingerschnippen töten konnte, und sie hätte mir begeistert zugestimmt und versucht, alles erdenkliche zu tun, um es mir zu erleichtern. Auch wenn das bedeutet hätte, dass sie sich selbst ein Messer durch die Halsschlagader ziehen hätte müssen.
„Aber natürlich“, sagte sie mit glasigem Blick und belegter Stimme. „Natürlich, sehen Sie es als Geschenk des Hauses, das versteht sich wohl von selbst. Hier“, sie griff nach etwas unter der Theke und beförderte abwesend eine silberne Uhr zu Tage. „Nehmen Sie das auch, ja, sehr schön...“
Ich ließ es zu, dass sie mir die Uhr über das Handgelenk schob, und schenkte ihr ein Lächeln. „Auf Wiedersehen!“, verabschiedete ich mich und ließ sie mit verträumtem Blick stehen.
Als ich das Geschäft verließ, kam mir ein junges Paar entgegen. Japaner, sie vermutlich etwas über zwanzig, er ein paar Jahre älter. Gleichgültig ließen sie sich begrüßen, dann fiel die Tür wieder hinter mir ins Schloss.
Unentschlossen, was ich tun sollte, blieb ich kurz stehen und ging in Gedanken die vielen Möglichkeiten, die mir Westminster bot, durch. Ein Spaziergang im Hyde Park wäre mal wieder fällig, beschloss ich.
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